Brücken bauen via Instagram

Unterschiedlicher konnten sie kaum sein, die drei Influencerinnen, die am 28.11.23 über ihren Berufsalltag sprachen. Die eine mit 1,1 Mio Followern hat auch die kommerzielle Seite im Blick. Die anderen möchten vor allem ihr Wissen teilen. Sie eint das Motiv, Brücken zu bauen. Welche? Wie?

Zum Auftakt fragte die Moderatorin Dr. Ewa Dabrowska von weltgewandt e.V., wie die drei Influencerinnen zu solchen geworden sind. Wann gab es den Durchbruch?

Dr. Julia Wischke, @juliawischke, betreibt unter anderem den Blog „Deutschland erklären“ (auf Russisch). Aus ihren Worten sprach deutlich die promovierte Philosophin. Menschen könnten ein Land besser verstehen, wenn sie wissen, woher alles kommt. Wer neu hier sei, sich „woanders pflanzt“, mache die Erfahrung, „dass der Raum nicht mehr mit dir spricht“. Menschen würden oft „unbewusst lesen“, zum Beispiel die U-Bahn einer Stadt und wie sie fährt. Ihr Ziel sei es, alles zu vermitteln. Dafür seien Social Media sehr hilfreich. Vor sieben Jahren begann sie damit. Influencerin sei man, wenn man Feedback bekommt. Daraus erwachse eine „Verantwortung, weiterzumachen“.

Paulina S. wiederum, @mum_in_berlin | „Mutter in Berlin“, begann vor neun Jahren. Ihr Auftritt sei langsam gewachsen. Bescheiden wirkt sie, wenn sie sagt, dass sie sich weniger als Influencerin sehe. Sie wolle Inspirationen geben. Sie mache dies mit Hinweisen auf interessante Orte in Berlin – besonders für Eltern. Das können Parks sein, aber auch Museen, die Ermutigung, sich in den Zug zu setzen und ins Umland zu fahren u.v.a.m. Instagram sei eine Nebentätigkeit für sie; sie sei in Teilzeit berufstätig. Auch für Paulina ist Resonanz wichtig und in diesem Sinn die Zahl der Follower.

Diana zur Löwen, @dianazurloewen, gilt als die erfolgreichste Influencerin in Deutschland. Sie nutzte zunächst Instagram als ein digitales Tagebuch. Was begann, um ihr Studium zu finanzieren, wuchs zu einem Unternehmen, das seinerseits Unternehmen und deren Produkten eine Reichweite verschafft. Wie? „Man selbst ist das Produkt.“ Man kann es auch so sagen: Durch eine Influencerin erhält ein Gut eine persönliche Note. Junge Frauen, die Zielgruppe, identifizieren sich mit ihr – und so ist die Brücke von einem unpersönlichen, entfernten ‚Ding‘ hin zu den Personen gebaut, die dieses kaufen mögen. Diana zur Löwen arbeite mit Marken zusammen und produziere für diese Content. Je mehr sie ihre Community kenne, desto mehr Kampagnen erhalte sie von großen Unternehmen, vor allem aus den Bereichen Mode, Schmuck und Kosmetik. Das wisse auch das Finanzamt: „Wir schauen auch deine Storys“. Zugleich trägt Diana zur Löwen auch Themen der allgemeinen und politischen Bildung in die Öffentlichkeit der virtuellen Kanäle, so zu Finanzen, Europapolitik oder sexualisierte Gewalt.

Wichtig sei es, eine klare Zielgruppe zu haben. Darin waren sich alle drei Influencerinnen einig. Für Julia Wischke und Paulina S. zähle eher der „Content um seiner selbst willen“ (Wischke). Paulina S. möchte vor allem Mütter, die in anderen Ländern (z.B. Polen) aufgewachsen sind, darin unterstützen, Hemmschwellen abzubauen und z.B. ins Museum zu gehen. Wer von ihnen wisse auch, dass es in Fernzügen Kinderabteile gibt? Sie sei proaktiv, nehme zum Beispiel mit der Stadtverwaltung von Hannover Kontakt auf, berichte über die Stadt und erhalte dafür einige Vergünstigungen. Ihr Kanal trägt sich davon nicht. Einmal im Monat bewerbe sie ihn.

Das Publikum zeigte reges Interesse. Es wurde nach rechtlichen Aspekten gefragt, ob jede ein „Geheimnis“ für ihren Erfolg habe, sie ein Team von Mitarbeiter/innen hätten, sie in Instagram die Zukunft von Bildung sähen und weiteres. Auf die Frage, ob die drei Influencerinnen wüssten, wie die Algorithmen auf den Social Media funktionierten, äußerten diese ein klares „Nein“. Dies führte zu Überlegungen, wie Social Media (besser) reguliert werden sollte. Denn es gäbe einen Zielkonflikt etwa zwischen Jugend- bzw. Kinderschutz und dem Interesse, Geld zu verdienen.

Haben die drei Influencerinnen auch Hass oder Diskreditierung erlebt? Da äußerten alle ein „Ja“. Doch dies halte sich in Grenzen. Julia Wischke gab sich gelassen und schien dabei für alle drei zu sagen: „Diese Leute sprechen vor allem von sich selbst. Sie sprechen nicht über mich, sie sprechen auch nicht mit mir.

Ob der Akzent auf der Vermittlung von Inhalten oder kommerziellen Aspekten liegt, alle drei möchten mit ihrer Tätigkeit etwas bewirken, das anderen weiterhilft.

Und warum widmet sich weltgewandt ausgerechnet diesem Thema? Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts #FLIGHT – Financial Literacy for Investment, Growth, Help and Teamwork statt, das vom Erasmus+-Programm der Europäischen Union gefördert wird. Zu finanzieller Allgemeinbildung gehört auch die Frage, wie man möglichst sinnvoll Einkommen erzielen kann. Gerade junge Frauen träumen oft davon, Influencerinnen zu werden.

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