Alexandertechnik in Paris

Blick über die Schulter“: Unsere Kollegin Meike Strohbach hatte die Gelegenheit, am Pôle de Technique Alexander in Paris neue Impulse für die Arbeit mit der Alexandertechnik aufzunehmen und ihre Kompetenzen auszubauen. Nachstehend ihre Eindrücke: 

Einführung / Kontext

Im Februar und März 2026 konnte ich ein Job Shadowing am Pôle de Technique Alexander in Paris absolvieren, einem Ausbildungsinstitut für Alexander-Technik. Ich wurde dort sehr herzlich aufgenommen und schnell in den Unterricht integriert.

Die Ausbildung war von einer kollaborativen und lebendigen Lernkultur geprägt. Studierende wurden aktiv in Unterricht und Organisation eingebunden und gestalteten den Alltag der Schule sichtbar mit.

Arbeiten im Unterricht

Der Unterricht wurde im Wechsel von den beiden Direktorinnen geleitet. Nach einer gemeinsamen Ausrichtung im Sitzen folgten Einzel- und Paararbeiten, die in Gruppenformaten weitergeführt werden. In den Pausen wurden theoretische Ansätze besprochen, Literatur gelesen und diskutiert.

Ich war aktiv in diese Prozesse eingebunden und habe in Einzel- und Gruppensituationen zunächst hospitiert und dann mit Studierenden selbst gearbeitet. Dabei habe ich situativ unterstützt und auf das reagiert, was im Moment entstanden ist. So entwickelte sich der Unterricht im direkten Kontakt mit den Lernenden. Über die Zeit hinweg gelang es mir außerdem immer leichter, in französischer Sprache anzuleiten.

Unterschiedliche Vermittlungsweisen

Ich habe sehr unterschiedliche Vermittlungsweisen erlebt – von klar geführten, körperlich strukturierten Ansätzen bis hin zu ruhig beobachtenden und dialogischen Formen der Anleitung.

Diese Vielfalt habe ich als unterschiedliche Wege verstanden, Lernprozesse zu ermöglichen, die je nach Person und Situation verschieden in ihrer Wirkung sind. Gerade der körperlich strukturierende Ansatz hat mich inspiriert, meinen eigenen Lehrstil zu ergänzen, weil er den Lernenden mehr Sicherheit vermittelt.

Raumwahrnehmung und Arbeitspraxis

Ein übergeordnetes Element meiner Arbeit war die Raumwahrnehmung. Durch dreidimensionales Sehen im Raum veränderten sich Haltung, Gleichgewicht und Bewegung oft ohne direkte Korrektur. Dies als übergeordnete Form des Innehaltens zu begreifen, erleichterte den Auszubildenden der Schule das Agieren in Bewegung.

Außerdem hat diese Arbeit für viele Situationen eine ruhige, stabilisierende Grundlage geschaffen – sowohl in Einzelarbeit als auch in Gruppenprozessen. In den Intensivtagen ging meine Gruppenanleitung zum Raumsehen in einen Paartanz über, der von den Direktorinnen angeleitet wurde.

Stimme und Körperorganisation

Ich habe Stimm- und Atemarbeit mit Körperorganisation verbunden und mein eigenes Tönen genutzt, um Gruppenprozesse zu unterstützen und Aufmerksamkeit zu sammeln.

Dabei wurde spürbar, dass die Stimme nicht nur klarer klingen kann, sondern auch Verbindung im Raum herstellen kann. Nach einer angeleiteten Liegearbeit hörte ich z.B. einen Opernsänger erstaunt sagen: „Oh, ich werde gesungen, ich muss gar nicht so viel tun.“

Musikalische Kontexte

Am Conservatoire National de Paris (CNSMDP) wurde der Zusammenhang zwischen Körperorganisation und musikalischem Ausdruck direkt erfahrbar. Kleine Veränderungen in Balance oder Aufmerksamkeit wirkten sich unmittelbar auf Klang und Spielweise aus. Hier hat mich das ergänzende Unterrichten inspiriert, weil wir sowohl als Lehrende neue Perspektiven einnahmen als auch den Studenten ein tieferes Verständnis für das bewegte Musizieren oder für körperliche Fragestellungen vermittelten.

Weitere Einblicke erhielt ich in der Philharmonie de Paris sowie im Institut Chant Harmoniques, wo Körper, Stimme und musikalische Praxis auf unterschiedliche Weise miteinander in Beziehung traten. An der Philharmonie war die Anwendung von Gesten für einer Chor-Choreographie wichtig, während bei Chant Harmoniques ein bestimmtes Bewegungsbild für das Singen vermittelt wurde.

Kultureller Kontext

Im Alltag in Paris hat sich für mich gezeigt, dass persönlicher Kontakt oft stärker im Vordergrund steht als reine Informationsvermittlung.

Auch einfache Situationen – wie etwa nach dem Weg zu fragen oder kurze Absprachen im öffentlichen Raum – zeigten, wie zugewandt die Franzosen kommunizieren. Dabei wird nachgefragt und erklärt, um sicherzustellen, dass wirklich verstanden wurde, was gemeint ist.

So waren auch die Kontakte in der Schule warm und persönlich, oder das Treffen innerhalb der Institutionen von Neugier und echtem Interesse geprägt. Wenn es private Treffen gab, so war es selbstverständlich jeden miteinzubeziehen, auch wenn sich Personen vorher noch nicht gekannt haben.

Transfer

Ich nehme aus dieser Zeit mit, wie sehr eine offene Lernatmosphäre Gruppenarbeit unterstützt. Inspiriert hat mich das Co-Teaching, in dem durch verschiedene Blickwinkel neue Zugänge entstanden.

Außerdem habe ich gelernt, Gruppenprozesse in der Alexander-Technik flexibel zu begleiten und unterschiedliche Vermittlungsweisen situativ einzusetzen. Besonders die Arbeit ohne körperliche Berührung war dabei zentral und hat neue Zugänge in der Gruppenanleitung eröffnet.

Dabei nehme ich mit, Stimme, Bewegung und Raumwahrnehmung gezielter in meiner Gruppenarbeit einzusetzen – etwa durch einfache Anleitungen, Summen und Tönen oder den Einsatz von Alltagsgegenständen wie Bällen oder Rollen, um körperliche Erfahrung unmittelbar zugänglich zu machen.

Besonders in der Arbeit mit unterschiedlichen vulnerablen Gruppen sehe ich darin ein erweitertes methodisches Feld.

Abschluss

Der Aufenthalt hat meinen Blick auf Unterricht und körperlich-musikalische und stimmliche Praxis vertieft. Besonders wichtig war für mich die Erfahrung, dass Lernen im gemeinsamen Moment entsteht – im Zusammenspiel von Menschen, Aufmerksamkeit und Bewegung.

Das Job Shadowing war für mich eine wunderbare Möglichkeit, meine Kompetenzen und mein Methodenrepertoire weiterzuentwickeln. Ich freue mich darauf, das Gelernte in künftigen Projekten von weltgewandt e.V. weiterzugeben.

Das Job Shadowing war Teil des Projekts „KOSMO_POLIS – Internationalisierung und gesellschaftspolitische Bildung im Stadtteil“, gefördert über das Programm Erasmus+.

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