Interviews zu „1989“ und dem Vereinigungsprozess

Im Rahmen unseres europäischen Projektes „Connecting Memories“ (Erinnerungen verknüpfen) führten wir Interviews mit Bürgerinnen und Bürgern Berlins durch – gleich welcher Herkunft. Die Fragen waren:

1. Kannst du ein bis zwei Erfahrungen aus deinem Leben erzählen, die mit der Geschichte deines Landes verwoben sind? 2. Was kommt dir in den Sinn, wenn du an die Nazi-Zeit denkst? 3. Was sind deine Assoziationen, wenn du an das Jahr 1989 und den Vereinigungsprozesses der 1990er Jahre denkst? 4. Kannst du eine europäische Dimension der beiden Themen sehen?

Peter schildert seine Erfahrungen als 10-Jähriger mit der Mauer und der Maueröffnung. Er fragt nach dem Zusammenhalt in der Vielfalt – damals, heute, in der Zukunft.

Für Susanne bedeutet die „Wende“ 1989 Öffnung und Freiheit. Sie mahnt, die Zeit des Nationalsozialismus ins Gedächtnis zu rufen und dies anhand konkreter Informationen zu tun.

Auch Mohammad schildert seine Überlegungen zu Faschismus und Krieg. Er schätzt die Vielfalt der Religionen in seinem Heimatland Syrien und erzählt, wie mehrheitlich muslimische Patienten seines christlichen Hausarztes sich für diesen einsetzten. Als die „Rebellen“ sein Auto gestohlen hatten, holten sie es für ihren Arzt wieder zurück. Geschehen in der Nähe von Damaskus. Mitten im Krieg. (Das Open-Air-Interview wurde durch ein Sommergewitter beendet.)

Anton schildert den Vereinigungsprozess in den 1990er Jahren aus westdeutscher Sicht. Die „Wende“ habe westdeutschen Unternehmen einen Markt eröffnet, der es erlaubt habe, ihre eigene Absatzkrise zu lösen – indem „ein ganzes Land arbeitslos gemacht wurde“. Ohne den Verlauf des deutsch-deutschen Vereinigungsprozesses sei gleichwohl  die europäische Vereinigung nicht möglich gewesen. Nur sollte diese nicht nur eine „Erweiterung wirtschaftlicher Möglichkeiten“ sein. Es gelte, die Kultur mehr zu berücksichtigen und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Außerdem sollte gemeinsam die ökologische Wende angegangen werden. „Man müsste das den Leuten entsprechend darstellen und ihnen eine Chance geben, sich daran zu beteiligen. Das wäre dann wirklich ein europäisches Projekt.“