Was ist der Unterschied von Gemeinschaft und Gesellschaft? Wie kann man in der Großstadt Gemeinsamkeit erleben und sich zugehörig fühlen? Welche Möglichkeiten bietet STADT, bieten die so unterschiedlich faszinierenden Städte wie Budapest, Florenz, Skopje und Berlin?
Zwölf Interessierte aus Ungarn, Italien und Nordmazedonien trafen Weltgewandte in Berlin und befassten sich mit diesen und weiteren Fragen. Gemeinsam erkundeten sie die Stadt: Weltzeituhr, Fernsehturm und Alexanderplatz, mithin das DDR-Berlin, wie es in den 1960ern entstand, Marien- und Nikolaikirche, Museumsinsel, Humboldt-Forum, Palast der Republik und der Streit um die Deutungshoheit über Geschichte, das einstige Waffenarsenal und heutige Historische Museum, die Lobbymeile Unter den Linden mit ihren verschiedenen Hauptstadt-Niederlassungen, Brandenburger Tor, Bundestag und das „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“. Nach einer Reflexionsphase in der Akademie der Künste erkundete die knapp 20-köpfige Gruppe noch die Hackeschen Höfe, das Blindenmuseum Otto Weidt und das Anne-Frank-Museum. Die Gäste näherten sich damit auf untouristische Weise touristischen Stätten Berlins, während die weltgewandten Projektbeteiligten ihrem Berlin einige neue Wissens-Facetten hinzufügten.



Leben in europäischen Städten, Zusammenhalt, ökologische Probleme, Gleichwertigkeit von Minderheiten, insbesondere der Roma-Community, und Fragen zur kulturellen wie persönlichen Verankerung prägten auch den gemeinsamen Theater-Workshop. Entstanden sind fünf Szenen zu charakteristischen Problemlagen und Situationen in den genannten Städten. Klingt ernst? Die Themen waren es. Die Umsetzung konnte heiterer kaum sein.



Die Performance führte zuerst nach Florenz. Da stand er, der schöne David, die vielfach bewunderte Statue, und wurde von einem Wächter zur gesitteten Bewunderung freigegeben. Dies gelang im ersten Akt. Im zweiten jedoch überrannten Touristenscharen den Sicherheitscordon, veranstalteten ein ordentliches Getöse, fotografierten wie verrückt und hätten den armen David beinahe überrannt.
Weiter ging es nach Skopje, und dort erhielten die Zuschauer eine lebhafte Einführung in die hohe Kunst des charmanten Feilschens. Auf einem Roma-Markt im Stadtteil Shuto Orizari wurde Sonnenbrillen, T-Shirts und allerlei mehr verkauft; doch der Preis war für Menschen mit Euros in der Tasche deutlich höher als für Käufer aus Skopje. Davon lässt sich ein polyglotter Besucher nicht so schnell überzeugen…
Die Berliner Wohnungskrise wurde als Wohnungsbesichtigung in Szene gesetzt, bei der die Frage war: Geld oder Beziehung? Letzteres triumphierte. Die Schauspieler für Budapest machten das Wohnungsproblem hingegen öffentlich: Sie besetzten kurzerhand eine Brücke. Schweigend bildeten sie eine Grenze; ausdrucksstark und mit klaren Botschaften auf ihren Transparenten. Da konnten die italienischen Polizisten noch so sehr zum Aufgeben drängen; sie blieben.
Die Besucher/innen goutierten die Szenen mit viel Applaus. Sie kamen anschließend beim reichhaltigen Buffet ins Gespräch.



Doch das war noch nicht alles. Eröffnet wurde außerdem eine Ausstellung. Die Fotos stammen von den Projektbeteiligten selbst. Sie wurden in vier Kategorien eingeteilt:
Gleichheit verschiedener Menschen und Gruppen,
Herausforderungen zwischen Tradition und Moderne,
Vorurteile und wie man ihnen die Kraft nehmen kann,
soziale Zugehörigkeit – weniger soziale und digitale Kontrolle, mehr Austausch und Entwicklung eigener Möglichkeiten.
Die Bilder sind im Frauenzentrum Marie, Flämingstr. 122, 12689 Berlin zu sehen. Für eine Besichtigung bitte vorher anmelden über info@weltgewandt-ev.de.
Rückmeldungen von Teilnehmer/innen:
„A trip full of art, culture, and connections across borders.“
„Es war toll, mit so vielen verschiedenen Leuten in Kontakt zu sein.“
„Such a powerful performance“!
„Das Wissen über die Geschichte der Stadt hilft, hier anzukommen.“



